Start Berichte und Bilder 400km Brevet Sveta Nedelja (Zagreb)
400km Brevet Sveta Nedelja (Zagreb) PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Sonntag, den 08. Juli 2018 um 18:32 Uhr

Mal eine etwas längere Radausfahrt von Pierr Koppensteiner und Christian Repaski

Nach einigen längeren Rad-Ausfahrten zum Training stand für Pierre Koppensteiner und mich (Christian Repaski) nun am Sa. 07.07 um 07:00 der Start zu unserer ersten 400km Prüfung (Brevet) am Plan.
Falls sich jetzt jemand fragt, warum bitte fährt man über 400km mit dem Rad ? Ganz einfach erklärt, weil wir beide leidenschaftliche Radfahrer sind und ein großes Ziel haben.
Vom 18-22 August 2019 beim, nur alle 5 Jahre stattfindenden, Paris-Brest-Paris gemeinsam mit über 6.000 anderen Radfahrern auf die 1220km lange Prüfung dabei zu sein.
Um hier gute Chancen für einen Startplatz zu haben muss man im Jahr davor, also 2018, bei einem möglichst langem Brevet (je länger der Brevet finishen.
Je länger der Brevet, umso früher kann man sich regstrieren. Für uns steht daher am 13. August noch ein 600km Brevet in Slovenien am Programm.

Aber nun zurück zum 400'er :-)
Also los gings am Freitag mit der Anreise in die kleine kroatische Vorstadt von Zagreb, Sveta Nedelja wo wir uns ein Appartment mieteten. Um 06:25 machten wir uns dann nach einem kurzen Frühstück  (Honiksemmerl, Orangensaft und Poridge) auf zum Startpunkt und ich wurde gleich putzmunter. Der erste Klick auf meine Hebel der elekronischen Gangschaltung führten leider nicht zum sonst üblichen Surren des Stellmotors sondern es war Totenstille, also nochmal und nochmal, "Sche..." das ist jetzt aber nicht wahr oder ? Dabei habe ich extra noch am Vorabend den Akku (nein nicht den für den Motor Lachend) aufgeladen damit ja nichts schiefläuft.
Egal jetzt heist es ruhig bleiben und handeln. Also zurück ins Appartment und das Ladegerät und ein USB Akkupack holen anstecken und hoffen dass sich während der Fahrt die Schaltung irgendwie auflädt. Eine Teilnahme ohne Gangschaltung bei ca. 5.000 Hm wäre nicht möglich gewesen. Und siehe da nach ein paar Metern tut sich plötzlich was, ich kann wieder schalten. Huch, Tag geretet.
Also zum Startpunkt wo schon einige Teilnehmer warteten aber natürlich nicht die Masse wie man es evtl. von einem Radrennen kennt. Brevet's sind absolut nicht vergleichbar mit Radrennen. Hier herscht eine viel viel familiärere und gemütlichere Atmosphäre, kein Streß, keine Hektik und keine Sieger. Hauptziel ist das bestehen der Prüfung, also innerhalb der Zeit ins Ziel zu kommen. Bei einem 400km Brevet ist das Zeitlimit 27h, beim 600er sind es 40 und bei Paris-Brest-Paris sind es 90 Stunden.
Es gibt auch keine Startpakete mit Werbung oder so, sondern nur ein Roadbook auf welchem die wichtigsten Abbiegehinweise und Kilometerangaben vermerkt sind.

Es waren ca. 35 Teilnehmer am Start und nach einer kurzen Ansprache durch den Organisator (der für uns beide Österreicher, das wesentliche nochmals auf Englisch sagte) ging es dann 07:00 los.
Die ganze Gruppe machte sich in einem gemütlichen Tempo auf den Weg und die ersten 15km fuhren ich und Pierre am Ende der Gruppe. Doch beim ersten leichten Anstieg, war es leider wieder da,
das nicht vorhandene Surren meiner Schaltung. Es hilft nicht's wir müssen kurz stehenbleiben und versuchen das Problem zu lösen. Also rauß aus der Gruppe, Werkzeug auspacken, Abdeckung für den Akku
abschrauben und alle Kontakte kontrollieren. Scheint so als wäre es ein Wackelkontakt direkt beim Stecker vom Akku, also diesen mittels Isolierband (braucht man immer ans Techniker Lachend möglichst fest fixiert, ein paar Testschaltungen duchgeführt und das Problem war gelöst.
Jetzt begann die Aufholjagd auf die Gruppe, denn in der Gruppe fährt es sich einfach leichtr, um die verlorenen 15min wieder aufzuholen. Bei der ersten Kontrollstelle nach 31km trafen wir dann noch die letzten die sich dort schon mal einen Kaffee gönnten. Wie gesagt Brevets sind keine Rennen. Kurz das Kontrollheft abstempeln und die Zeit eintragen und weiter gehts.
Aber was ist jetzt los, die Schaltung geht schon wieder nicht, also nochmal stehenbleiben wieder alles abschrauben und Stecker beim Akku nochmals kontrollieren.
Er sitzt sehr locker fällt mir auf, aber Pierre hat die zündende Idee und steckt ihn einfach mal ganz fest rein und siehe da jetzt rastet er ein und hält viel besser Verlegen
Endlich hatten wir das Problem dauerhaft gelöst. Meinem Radtechniker des Vertrauens wird das mindestens eine Runde Saft kosten Zunge raus
Weiter aufholen bis zur 2. Kontrollstelle bei km 113 und hier schlossen wir dann auf eine 4 Mann Gruppe auf. Da uns diese aber doch etwas zu langsam waren, fuhren wir in unserem Tempo weiter bis zum nächsten Checkpoint bei km 170 wo es dann auch die einzige offizielle Verpflegung gab. Übrigens für die Teilnahme an einem Brevet zahlt man nur einen kleinen Unkostenbeitrag von 10-15 EUR inkl. Mittagessen.
Dort wurden wir von einem der Teilnehmer gleich auf unsere Getränke eingeladen. Im übrigen waren alle Teilnehmer und alle die wir sonst so getroffen haben enorm gastfeundlich und zuvorkommend. Man kümmert sich um den anderen und unterstützt gegenseitig wo man kann.
Nach einer ca. 1h Pause ging es dann weiter, und jetzt standen auf den nächsten 100km einige Anstiege bevor, wo uns der Organisator schon im Vorfeld den Tipp gab uns noch vorher mit genügend Wasser und Proviant einzudecken, denn es gibt dort zwar eine superschöne Gegend aber eben nichts zu trinken oder zu essen. Und so war es dann auch, die Anstiege waren moderat mit ca. 8-10% aber die Gegend war echt beeindruckend. Alm-ähnliche Gebiete mit echten Wildpferden und Blick aufs Meer sieht man nicht so oft.

Kurz vor KM 274 wo der nächste Checkpoint auf uns wartete bogen wir um 21:00 noch kurz bei einem Supermarkt ein um uns mit Proviant für die bevorstehende Nachtfahrt einzudecken.
Nach eine Essenspause und den Vorbereitungen auf die Nacht (Warnweste und Ärmlinge anziehen, Licht aktivieren,..) ging es dann weiter Kilometer für Kilometer auf der Straße der Sieger. Dennn es war in jedem Dorf wo wir durchfahren Partystimmung angesagt nachdem Kroatien als Sieger aus dem Elfmeterschießen hervorging.
Während der Fahrt hatten wir schon überlegt, was machen wir in der Zeit nach 22 Uhr, denn wenn Kroatien gewinnt ist es auf der Straße evtl. genauso gefährlich wie wenn Sie verlieren. Am Ende war aber sowas von wenig Straßenverkehr auf den gesamten 422 km und uns sind in Summe maximal 100 Autos begegnet, ein Traum für jeden Radfahrer.
Die Nacht wurde immer dünkler und es zog auch feuchter Nebel auf sodass wir uns zeitweise wie in einer Dampkabine fühlten. Zwischendurch wurden wir immer wieder von bellenden Hunden wachgerüttelt als diese versuchten in unsere Räder zu beissen.
Einmal hatten wir großes Glück als 5m vor uns ein Reh über die Straße lief, zum Glück war es auf einem geraden Teilstück und nicht bergab, aber danach waren wir sowas von munter.
Beim vorletzten Checkpoint bei km 354 machten wir nochmal eine kurze Coca-Cola Pause um auch die letzten 77km noch gut zu meistern. Aber wir merkten schon dass unsere Kräfte nicht mehr so wie am Anfang waren und die Rollpausen zwischendurch wurden immer länger. Nach 20h 50min Gesamtzeit und 16h50 reine Bewegungszeit waren wir dann um 03:54 im Ziel und wir hatten unseren ersten 400'er erfolgreich und ohne Sturz oder techn. Gebrechen (Schaltung ausgenommen) gefinisht.
Jetzt heist es kurze Radpause und dann Vorbereitung auf den 600'er.

 

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