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Chiemgauer 100 Kilometer PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Donnerstag, den 04. August 2011 um 14:00 Uhr

Chiemgauer 100km

Am letzten Juli Wochenende stand für mich und meinen Lauf-Freund Richard Pirngruber (Ricardo der Spanier) mit dem Chiemgauer 100 Kilometerlauf das sportliche Highlight 2011 am Programm.


Der Lauf, der für uns das Projekt Ultra-Trail-Mont-Blanc (UTMB) eröffnete (bringt uns 3 der notwendigen 5 Qualifikationspunkte!), war aufgrund der 100 km und vor allem der darin enthaltenen 4400 Höhenmeter das schwierigste und härteste Rennen, das ich sportlich in einer Etappe gemacht habe.
Die Strecke führt über weite Teile durch Naturschutzgebiet, sodass die Behörden nur 150 Extremläufern (50 auf der Meilen- und 100 auf der Kilometerdistanz) eine Teilnahme genehmigten.
Die Veranstaltung selbst ist eine sehr kleine, familiäre und beschauliche Geschichte, die durch sehr engagierte Helfer und vor allem durch den Organisator Giselher Schneider unter dem Motto „Läufer für Läufer“ abgehalten wird (super organisiert, aber sehr wenige Zuschauer – man glaubt teilweise, dass man in Ruhpolding nichts vom Lauf weiß…..).
Bereits am Freitag Nachmittag zwischen 15.00 Uhr und 17.00 Uhr gehen die 100 Meilenläufer ins Rennen, die durch die Nacht hindurch ihre ersten 60 Kilometer mit zusätzlichen 1200 Höhenmetern absolvieren, ehe sie am nächsten Morgen mit den 100 Kilometerläufern die selbe Runde bestreiten.
Für Richard und mich ging es nach zwei Weißbier am Abend in die kurze Nachtruhe!

 

Um 3.45 Uhr Tagwache, danach das übliche „Wettkampfvorbereitungsritual“ und dann ins Ruhpoldinger Waldstadion Fuchsau (Start- und Zielgelände), wo es um 4.30 Uhr noch ein gemeinsames Frühstück mit Honigsemmel und heißem Kaffee gab. Weiter ging es zur Teilnehmerkontrolle und Registrierung und  um 5.03 Uhr hieß es dann ganz unspektakulär „3, 2, 1 Los! Viel Spaß wünsch ich euch“!!!
Zu diesem Zeitpunkt war es noch dunkel und auch  trocken, was sich aber bald ändern sollte.
Die ersten 26 Kilometer führten uns mit ca. 600 Höhenmetern rund um den Rauschberg und wieder zurück nach Ruhpolding.
Die körperliche Frische und die noch relativ wenigen Höhenmeter auf dieser ersten Schleife, ließen uns flott vorankommen, so dass wir nach 2 Stunden 45 Minuten wieder im Start- Zielgelände waren. Schuhe und Shirt gewechselt, ein zweites Frühstück zu uns genommen, ging es wieder weiter.
Jetzt sollte es aber erst wirklich losgehen mit den Strapazen – auf den nächsten 74 Kilometer erwarteten uns 5 Berge und knapp 4000 Höhenmeter!
Zu diesem Zeitpunkt begann auch der Regen, der phasenweise extrem intensiv war und sich bis zum Nachmittag hinzog. Dadurch waren die Trails teilweise extrem schlammig und sumpfig, sodass wir auch auf den nicht so schwierigen Steckenabschnitten sehr viel Zeit verloren.

Schlammiger Trail

Unternbergsattel, Hörndlwand, Hochsattelscharte und die Gleichenbergalm waren die vier Berge, die es auf den nächsten 40 Kilometer zu überwinden galt.
Die positive Überraschung des Tages gab´s für uns aber sicher bei km 55 – ohne jede Vorahnung entdeckten wir am Wegrand ein Transparent mit unseren Namen und motivierenden Sprüchen drauf!! Die fünfköpfige Fangruppe mit Anna, Eva, Lea, Petra und Angela überraschten uns lautstark und sorgten so für einen Motivationsschub der besonderen Art! Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Kräfte durch solche Ereignisse in einem doch schon angeschlagenen Körper wieder frei werden……..

Anfeuerung durch Fans
Kupiert und „dreckig“ ging´s weiter bis Kilometer 74 – und da stand die letzte und gleichzeitig auch härteste Passage des Laufes bevor – der Hochfelln!!
Knapp 1000 Höhenmeter auf 7 Kilometer nach oben!!! Oben angekommen setzten Nebel, Wind und Kälte uns mächtig zu, so dass wir nach dem Kontrollpunkt und der kurzen Verpflegungsaufnahme gleich wieder mit dem Abstieg beginnen wollten.
Doch für die ersten 4 „unlaufbaren“ bergab Kilometer brauchten wir eine ganze Stunde (extrem schwierige, zuerst latschige, dann felsige Wegstrecke, die die Unterstützung der Hände nötig machte)!!!!!!
Danach galt es noch 15  teilweise steil bergab führende Kilometer bis ins Stadion Ruhpolding zu meistern, ehe wir ca. 300 Meter vor dem Ziel unsere fünf, extra für uns angereisten Fans schon jubeln hörten.
Der Zieleinlauf nach 100 Kilometern in 16 Stunden 31 Minuten gehört mit Sicherheit zu den schönsten Momenten meines Sportlerlebens!!
Nur 57!!! der 100 gestarteten LäuferInnen kamen innerhalb des Zeitlimits von 18 Stunden ins Ziel. Auch wir waren über lange Zeit nur 30 – 45 Minuten vor der cut-off Zeit. Das zeigt das extrem harte Rennen mit sehr widrigen Witterungsbedingungen und das knappe Zeitlimit (um einiges schwieriger als beim UTMB)!
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass es schon sehr beruhigend ist, einen gleich gesinnten Sportler an seiner Seite zu haben, der genauso seine Höhen und Tiefen „durchläuft“ und auf den man sich einfach verlassen kann!
Danken möchte ich den vielen „Daumendrückern“ die zuhause ganz ungeduldig auf die Updates des Veranstalters per PC gewartet haben und mir per SMS die Glückwünsche mitgeteilt haben.
Mein allergrößtes DANKE geht noch einmal an Anna, Lea, Eva, Petra und Angela die uns wirklich in großartiger Weise motiviert und unterstützt haben!!!!!!

Chiemgau 2011